Von Neubauten und Wertschöpfung durch Freilichttheater

Leitungsteams der „Arbeitsgemeinschaft der Zehn Deutschen Festspielorte“ begegneten sich in Bad Hersfeld

 
 
 

Es ist eine außergewöhnliche Runde, die sich jedes Jahr im Herbst in einer anderen Festspielstadt in Deutschland zum konstruktiven Austausch trifft: Die Leitungsteams von zehn großen Open-Air-Theatern in Deutschland, die sich zur „Arbeitsgemeinschaft der Zehn Deutschen Festspielorte“ zusammengeschlossen haben, darunter auch die Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Diesmal fand das Treffen am vergangenen Donnerstag, 8. November, in Bad Hersfeld statt, wo die Gäste von Jörn Hinkel, dem jungen neuen Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele herzlich begrüßt wurden.


Frischer Wind durch eine neue Generation

Rund 666.000 Besucher waren es im vergangenen Sommer, die in Bad Gandersheim, Bad Hersfeld, Bad Vilbel, Ettlingen, Feuchtwangen, Jagsthausen, Mayen, Rathen, Schwäbisch Hall und Wunsiedel professionelles Theater in Schloss- und Burghöfen, Stiftsruinen, Kreuzgängen, auf Treppen, auf Felsen- und Naturbühnen erlebt haben. Eine große Aufbruchsstimmung war unter den Anwesenden zu spüren, ist es doch nach zahlreichen Intendantenwechseln in den vergangenen Jahren eine neue, deutlich jüngere Generation an FestspielleiterInnen, die mit neuen Formaten und Ansätzen ihre Theater prägen und für die Zukunft fit machen. Mit Birgit Simmler von den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel und Solvejg Bauer von den Schlossfestspielen Ettlingen sind erfreulicherweise inzwischen auch zwei Frauen Künstlerische Leiterinnen ihrer Festspiele.


Theaterneubauten und Umbauten in zahlreichen Festspielstädten

Besondere Beachtung bei der diesjährigen Runde erfuhr der Theaterneubau der Freilichtspiele Schwäbisch Hall, das Neue Globe. Ein komplett neues Theater zu bauen, ist derzeit einzigartig in der deutschen Festspiellandschaft. Der Trend, durch Baumaßnahmen in besseren Service für Besucher und bessere Arbeitsbedingungen für die Theatermacher zu investieren und sich so für die langfristige Zukunft der Festspiele gut aufzustellen, zeigt sich jedoch an fast allen Spielorten. So wird derzeit bei den Kreuzgangfestspielen in Feuchtwangen die zweite Spielstätte für rund 2,5 Millionen Euro komplett umgebaut und soll wie das Neue Globe bereits in der kommenden Spielzeit zur Verfügung stehen. Rund 5 Millionen Euro planen beispielsweise die Hersfelder Festspiele und die Burgfestspiele Bad Vilbel für Umbaumaßnahmen rund um den Festspielbetrieb ein, darunter jeweils ein neuer Gebäudekomplex, der unter anderem Probenräume und Werkstätten beherbergen soll. Im sechsstelligen Bereich investieren die Gandersheimer Domfestspiele in den Bau neuer Probenräumlichkeiten, während die Felsenbühne Rathen einen deutlich höheren Betrag für die Verbreiterung ihrer Zuwegung zur Bühne ausgegeben haben.

„Es ist ein hervorragendes Zeichen, dass die Gesamtbesucherzahl unserer zehn Festspiele im vergangenen Jahr weiter angestiegen ist“, findet Freilichtspiele-Intendant Christian Doll. „Dass dies möglich ist, hat wesentlich damit zu tun, dass sich das Freilichttheater in Deutschland kontinuierlich weiterentwickelt. Dazu gehört die inhaltliche Ausrichtung mit jungen IntendantInnen und neuen Theaterformen ebenso wie der Wille der Städte und Kommunen, in ihre Theater zu investieren und sie auch infrastrukturell weiterzuentwickeln. Letzteres hat sicherlich mit der Erkenntnis zu tun, dass Freilichttheater einen wichtigen Anteil für die Attraktivität und Lebensqualität, aber auch für die Wirtschaftskraft einer Region leisten.“


Rund 6,5 Millionen Euro Wertschöpfung durch Bad Hersfelder Festspiele

Wie Festspiele der Wirtschaft einer Region nutzen können, schilderte Prof. Dr. Jan Drengner von der Universität Worms in einem Impulsvortrag. Er berichtete von seiner Studie bei den Bad Hersfelder Festspielen 2017, in denen die Wertschöpfung der Festspiele für die Stadt Bad Hersfeld untersucht wurde. Die Studie kam zum Ergebnis, dass allein durch sogenannte „Event-Touristen“, die spezifisch für einen Theaterbesuch anreisten, sowie durch Mitarbeiter der Festspiele eine Gesamt-Wertschöpfung von rund 6,5 Millionen Euro für Bad Hersfeld generiert worden sei. Nicht berücksichtigt seien dabei weitere positive Faktoren der Festspiele für die Stadt, etwa die kulturelle Bereicherung des öffentlichen Lebens oder die Erhöhung der Attraktivität des Standorts Bad Hersfeld. Die Höhe der Wertschöpfung zeige deutlich, dass die jährlich investierten Zuschüsse der Stadt Bad Hersfeld – in der untersuchten Spielzeit 2017 in Höhe von 1,81 Mio. Euro – ganz unabhängig vom künstlerischen Wert auch wirtschaftlich gut investiertes Geld seien.

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Autor: Adrian Ministrator

Erstellt am 12. November 2018

 
 
 

Gruppenfoto der Leitungsteams der "Arbeitsgemeinschaft der Zehn Deutschen Festspielorte".