Turbulente Zeitreise mit der Revue „In der Bar zum Krokodil – Ab in die wilden 20er“

Mit viel Musik geht es in der letzten Premiere der Spielzeit in die Goldenen Zwanziger

 
 
 

Über die Große Treppe in Schwäbisch Hall wehen seit einiger Zeit bereits Melodien aus den „Goldenen Zwanzigern“: Die Proben zur Revue „In der Bar zum Krokodil – Ab in die wilden 20er“ sind in der heißen Phase. Am Samstag, 4. August, um 20.30 Uhr, findet die Premiere dieser Musiktheaterproduktion statt, die eigens für die Große Treppe vor St. Michael entwickelt wurde. Mit Schlager, Charleston, Tango und Swing erzählt die Musik viel über die Vitalität jener Jahre zwischen den Weltkriegen: Ein Land, das im Krieg in den Abgrund geschaut hat, erwacht zu neuem Leben und treibt ungekannte Blüten in Kabarett, Kunst und Konzertleben. Der Puls der Metropole Berlin gibt den Takt vor bei dieser Uraufführung, die die Musik der 20er Jahre ganz in den Fokus stellt. Berühmte und auch unbekannte Lieder jener Tage fügen sich zu einer Geschichte, die acht Figuren auf der Suche nach Romantik, Rausch und dem Platz im Leben begleitet. Sie bewegen sich dabei auf den Schwingen der Schlager dieser Jahre, die mal frech und frivol, mal scharfzüngig und politisch daherkommen.

Die Kreativköpfe hinter der Uraufführung des Haller Sommers 2018 sind Heiko Lippmann und Christian Doll, deren Musical „Maria, ihm schmeckt's nicht!“ das Publikum bereits bei den Freilichtspielen 2017 mitgerissen hat. Mit einer Revue, die ganz ohne Dialoge auskommt und sich nur über ihre Lieder erzählt, erfüllen sich die beiden nun ein Projekt, das ihnen schon lange am Herzen liegt und das Ulf Dietrich als Regisseur der Uraufführung nun auf der Treppe zum Leben erweckt. Als Berlin-Spezialist, der auf zahlreiche Inszenierungen am Friedrichstadtpalast und am Theater des Westens in Berlin sowie eine stolze Reihe selbstgeschriebener Revuen zurückblicken kann, zeigt Dietrich sich begeistert vom Spielort: „Treppen habe ich in meinen Bühnenbildern zwar schon viele gehabt, aber nicht in dieser Form. Schwäbisch Hall hat ja sozusagen eine riesige Revuetreppe mitten in der Stadt!“ Für das passende Großstadtflair auf der Großen Treppe sorgen neben dem Bühnenbild von Dietmar Teßmann auch die Kostüme von Monika Seidl.

Mit Jasmin Eberl, Maja Sikora und Nico Went stehen Absolventen der renommierten Berliner Universität der Künste auf der Bühne. Fließend „Berliner Schnauze“ sprechen zudem Anja Gutgesell, Petra Welteroth und Wahl-Berliner Mario Gremlich. Udo Eickelmann und Rob Pitcher komplettieren das Ensemble der unverwechselbaren Persönlichkeiten, die sich in solistischen Auftritten vorstellen und sich mit den übrigen Stimmen in poetischen Satzgesängen, arrangiert vom Musikalischen Leiter Heiko Lippmann, verbinden. Die Atmosphäre der legendären Berliner Tanzsäle der 20er Jahre beschwört auch das 7-köpfige Freilichtspiele-Salonorchester herauf.

Die Musikauswahl des Autorenteams Lippmann/Doll fängt die unterschiedlichen Facetten jener Jahre zwischen den Weltkriegen ein. „Natürlich erklingen sehr viele Schlager, aber auch die kritischeren Töne wie von Hanns Eisler oder Kurt Weill werden nicht ausgeklammert“, erläutert Ulf Dietrich. Denn neben der Freizügigkeit und Lebensfreude erzählt die Kunst der 1920er Jahre auch von Krise, Depression und der Spaltung einer Gesellschaft – ein Thema, das auch heute wieder aktuell geworden ist. Gerade dies macht das große Sich-Hinwegträumen so reizvoll: mit der Klara in die Sahara, mit dem Maier zum Himalaya, oder eben zum schönen blauen Nil – in die Bar zum Krokodil.

Karten für "In der Bar zum Krokodil - Ab in die wilden 20er" gibt es hier.

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Autor: Adrian Ministrator

Erstellt am 30. Juli 2018

 
 
 

Wie ganz Berlin liest auch Fabrikant Wilhelm (Mario Gremlich) täglich Nachrichten aus der Feder der Journalistin Erika (Anja Gutgesell).

Der idealistische Heinrich (Nico Went) und die zurückhaltende Greta (Jasmin Eberl) kommen sich näher. (Foto: Jürgen Weller)

Alle Fotos: Jürgen Weller